MANTEL 30-10-99
KULTUR

Nacktputzer

Kra: Tach, Frau Krömmelbein.
Krö: Tach.
Kra: Na?
Krö: (schweigt)
Kra: Wollen Sie heute gar nicht wissen, wie es mir geht?
Krö: Nein.
Kra: Bitte?
Krö: Ich will gar nix mehr wissen. Von niemand nix. Wat ich nich weiß, macht mich nich heiß.
Kra: Was ist denn mit Ihnen los?
Krö: Ich sach Ihnen, Frau Krapf, Sachen gibbet, die gibbet gar nich.
Kra: Ja, was denn?
Krö: Ich hab 'ne Annonce aufgegeben. Ich such 'ne neue Putzfrau.
Kra: Ja, und?
Krö: Dat Telefon hat nich stillgestanden, den ganzen Morgen nich.
Kra: Ja, is doch besser. Oder?
Krö: Die Leute machen einem Angebote . . . dat glaubt man nich.
Kra: Wieso?
Krö: Zum Beispiel nackich putzen.
Kra: Bitte?
Krö: Es gibt welche, die putzen nackt. Nackt, wohlgemerkt. Putzen.
Kra: (schweigt)
Krö: Sehen Se, da sagen selbst Sie nix mehr drauf, ne? Frau Krapf, dat müssen Sie sich mal vorstellen, ich geh an dat Telefon und hab einen dran, der mir einen Nacktputzservice anbietet. Ich dachte, ich hätte mich verhört oder der hätte 'nen Akzent. Nachtputzservice, denk ich, ne? Aber der meinte, nackt. Nackt putzen. Als wär dat dat normalste von 'ne Welt. Ich sach . . . also erstmal hab ich gar nix gesacht, ich war nämlich sprachlos.
Kra: Ist ja auch eher selten, ne?
Krö: Entschuldigung, sach ich, aber ich suche jemanden, der putzt. Ja, sacht er, macht er.
Kra: Aber nackt, oder was?
Krö: Ja. Er könnte allein, aber auch zu zweit, mit einer Partnerin.
Kra: Und die dann auch nackt.
Krö: Jaa. Frau Krapf, die kommen, legen ihre Klamotten ab und putzen die Wohnung! Und da kann man zugucken. Und wenn man will, sich dabei .... also amüsieren. Anfassen is nich. Kein GV, sacht er. Nur gucken. Dafür zahlen Leute teuer Geld. Für nackich putzen.
Kra: Ja, da hat man doch zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die Wohnung is sauber und man hat noch ein bißchen Spaß dabei.
Krö: Na, ich weiß nich. Kra: Und, haben Sie ihn engagiert?
Krö: Also, Frau Krapf!!!
Kra: Ja, wär doch auch mal schön. Da sitzen Sie und Ihr Konrad gemütlich auf der Couch, schön ein Gläschen Rheinhessen dazu...
Krö: Jou, dat stell ich mir unwahrscheinlich aufregend vor. Da steht einer pudelnackt in meinem Wohnzimmer und staubt meine Eichenschrankwand ab. Und dat haut mich dann quasi vom Hocker. Schon beim Gedanken daran bin ich ja kurz vorm Orgasmus. Nä, Frau Krapf, nä!
Kra: Jetzt regen Sie sich doch nicht gleich wieder so auf...
Krö: Ja, finden Sie dat normal, nackich für andere Leute putzen?
Kra: Na ja, aber jedenfalls clever. Da hat jemand scheinbar 'ne Marktlücke aufgetan.
Krö: Also wenn dat 'ne Marktlücke is, dann verkauf ich nächste Woche unsere Kloschlüsseln und Seifenschalen persönlich in Latex oder Leder und biete obendrein noch Natursekt an!
Kra: Da liegen Sie aber ganz vorn, Frau Krömmelbein.
Krö: So, und jezz muß ich zum Arzt rein. Ich hoffe, dat der wenigstens noch ganz normal angezogen praktiziert. Bissi Tage.

Sie sind Frauen. Sie sind frech. Sie sind komisch. Und sie sind wunderbar. Sie kommen aus Mülheim und Oberhausen und mitten aus'm Leben. Sie sind das beste Frauenkabarett der Republik. Und sie schreiben für die NRZ Geschichten über Frau Krapf und Frau Krömmelbein. Gerburg Jahnke und Stephanie Überall - die Missfits.

aus: http://www.waz.de/waz/waz.archiv.frameset.php


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