März 2004

Jungs, die sich dumm anstellen

KASSEL. Der Mann und wie man über ihn lachen kann. Gerburg Jahnke und Stephanie Überall werfen als Kabarett-Duo „Die Missfits“ seit 20 Jahren ein mal kritisches, mal vor Lachen tränendes Auge auf die fremdartige Spezies und das Verhältnis der Weiblichkeit zum so genannten starken Geschlecht. Zurzeit sind die beiden auf Abschiedstour. Am Wochenende treten sie in Kassel auf. Wir sprachen mit Gerburg Jahnke über Fußball, komische Katzen und Abnutzungserscheinungen im Comedybetrieb.

Worüber haben Sie heute gelacht?

Gerburg Jahnke: Ich tippe die Fußballergebnissse in meiner Tippgemeinschaft normalerweise immer sehr schlecht. Und jetzt hat mein Kollege, der immer sehr gut tippt, vergessen, seinen Tipp abzuspeichern und konnte den ihm zustehenden Tagessieg nicht abholen. Da musste ich lachen. Das war natürlich sehr böse. Schadenfreude pur.

Aha. Sind das so die Sachen, über die Sie privat lachen können?

Jahnke: Genau über so was. Jungs, die sich dumm anstellen. Aber auch über Witze, über Situationskomik oder über meine beiden Katzen. Die sind sehr witzig, wie die sich verhalten, wenn ich zum Beispiel eine Dose aufmache oder sie nicht aufmache.

Und wie haben sich Ihre Comedy-Themen auf der Bühne in 20 Jahren verändert?

Jahnke: Wir haben uns durchgängig mit der Beziehung zwischen Männern und Frauen beschäftigt. Dann tauchten am Weg immer wieder Zusatzthemen auf: Tod, Frauenbeziehungen, Wechseljahre. Was wir nie gemacht haben, ist politisches Kabarett.

Sie sind auf Abschiedstour. Hat sich das Frauenkabarett erledigt?

Jahnke: Im Gegenteil. Früher waren wir diejenigen, die sich mit dem Thema Männer und Frauen beschäftigt haben, als sich die Jungs noch um ihre wichtigen Jungs-Themen gekümmert haben. Heute machen die männlichen Kabarettisten nichts anderes als wir. Da leiert das Thema Männer-Frauen langsam aus.

Was erwartet uns auf Ihrer Tour?

Jahnke: Ein echtes Best-of-Programm. Ein Spaziergang durch die Jahre. Man sieht, wie wir uns früher noch Zeit genommen haben, mehr Ruhe gehabt haben. Das war etwas anderes als der Hickhack, den heute professionelle Gagschreiber im Comedybereich abliefern. Das wird ein runder Abend mit etwas Wehmut.

Sie treten allein in Kassel an drei Abenden auf. Ein Zeichen für Ihre Beliebtheit. Warum hören Sie denn jetzt auf?

Jahnke: Wir sind als Paar an unsere Grenzen gekommen mit dem, was man zusammen aus sich herausholen kann.

Wie geht es für Sie weiter?

Jahnke: Seit ein paar Jahren mache ich immer wieder Regie für Kollegen. Das würde ich gern intensivieren. Aber jetzt machen wir erst mal die eine Tür richtig zu, bevor wir die nächste aufmachen.

Das heißt, Sie nehmen den Abschied von Ihren Fans richtig ernst?

Jahnke: Auch die Besucher tun das. Die verabschieden sich bei unseren Auftritten am Stand richtig von uns mit Handschlag und auch mit Tränen. Deshalb war diese Tour unser Herzenswunsch.

 


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