editorial aus dem Programmheft "MISSFITS jetzt mit noch mehr Männern"

der mann, der die beiden damen interviewen wollte, erschien eine halbe stunde zu spät. eigentlich hatten frau überall und frau jahnke nach 15 minuten keine lust mehr zu warten, aber man einigte sich, daß eine zweite verabredung noch viel komplizierter zu vereinbaren gewesen wäre und blieb. und wartete auf einen ziemlich jungen mann, (gekleidet in ein out-door-wear, das seinem tiefen wunsch, ein street-fighter zu sein, entsprechen mochte, aber völlig underdressed für einen interview termin schien), der einen gesichtsausdruck in das cafe hineintrug, der schon mal allen, die es nicht interessierte, zeigte: ich bin busy. total busy.
erst nachdem die beiden damen in heftiges armeschlackern verfielen, nahm er sie wahr.
"er kennt uns nicht", murmelte frau jahrke.
"muß er ja auch nicht", beschwichtigte frau überall.
"mh". frau jahnke war offensichtlich nicht dieser meinung, beschloß aber, sich zurückzuhalten.
der junge mann nuschelte einen namen, der hier nichts zur sache tut, und sowieso nicht zu verstehen war und machte sich umständlich breit.
"super laden hier, kenn ich gar nicht" gab er dann kund, was frau jahnke zu der ansicht kommen ließ, daß dieser junge mann einiges nicht kannte.
"aber ich komm auch nicht aus essen", fügte er hinzu.
" wir auch nicht", beeilte sich frau jahnke zu erklären.
"ach, ich dachte, ihr - haha, ich sag mal du,ne?! - kommt aus essen?!"
"nein", lächelte frau überall, "nein, wir kommen aus oberhausen"
"haha, kann man denn in oberhausen leben?"
was amüsiert diesen menschen nur so? grübelte frau jahnke und antwortete mit einem deut!ichen "ja, man kann".
was den jungen mann aber eigentlich gar nicht interessierte.
"so!" beschloß er dann zum offiziellen teil überzugehen," ihr seid a!so die" und dann fing er an, suchend in seinen unterlagen zu kramen.
"missfits" ergänzte frau überall milde.
frau jahnke guckte sich suchend nach ihren sachen um, in ihr reifte der entschluß, die entwürdigende situation schnell hinter sich zu lassen. frau überall griff nach ihrer hand und lächelte stur geradeaus.
"aber ihr spielt in der gruga, haha, ist ja echt groß, der laden!"
den "laden" kannte er also, dachte sich frau jahnke und grübelte wieder: wieso machte sie dieser junge out-door-held auf die größe der gruga-halle aufmerksam???! "
aber erst im apri!, vorher spielen wir ziem!ich lange in oberhausen" frau übe - ralls lächeln gefror langsam zu einem problem, das sie nach dieser begegnung mit massagen und lockerungsübungen lösen würde
"kann man denn da spielen, haha?"
frau jahnke zerquetschte ihre ha!b volle camel-ohne schachtel in der linke, hand, ohne es zu merken. frau überall beobachtete diesen vorgang mit besorgnis.
"man kann" teilte sich frau jahnke mit, wobei ihre stimme dem jungen mann das blut in den adern hätte gefrieren lassen müssen, wenn er nicht so schmerzfrei gewesen wäre." im ebertbad, vom 5. januar bis zum 18. februar."
die worte januar und februar schienen dem jungen mann etwas zu sagen. waren das nicht monate? aber das wort ebertbad? er beschloß, diesen aus- künften keine weitere bedeutung beizumessen.
"und was macht ihr da so?"
frau jahnke beschloß, ob dieser ausgewählt differenzierten fragestellung, in die schlußkurve zu gehen:
"wir betreten gegen 20.30 uhr die bühne, halten uns dort ca. 2 stunden auf, hinter uns stehen fünf männer, die instrumente in den händen halten, und wenn die zeit um ist, trinke ich rotwein und frau überall bier und die leute gehen entweder nachhause oder bleiben noch ein bißchen. und am nächsten abend machen wir es genauso."
der junge mann blickte mit diesen leeren augen in ihre richtung, die männer bekommen, wenn sie nachdenken. wahrscheinlich traute er der verbindung zwischen seinen ohren und seinem gehirn im moment nicht
"haha", sagte er dann schon mal präventiv.
"ja", sagte frau jahnke, als wenn er einen inhaltlichen beitrag abgegeben hätte, "ich finds auch sehr lustig", und mit diesen worten griff sie zu ihren sachen.
auch frau überall fing an zu packen: die schönen fotos, die sie für ihn mitge- bracht hatten, das hochinformative programmheft, in dem alle namen stan- den und andere texte, mit denen sie seine arbeit hatten erleichtern wollen alles verschwand in ihrer tasche.
"wir müssen leider los", flötete sie.
" ja", ergänzte frau jahnke,"wir kellnern beide, wissen sie, von irgendwas muß man ja leben, und die schicht beginnt in ner halben stunde, also dann"
und weg.
der junge mann malte versonnen die worte januar und februar auf seinen lee ren block, er besch!oß, sich doch den laptop zu kaufen, diese interviews muß- ten einfach mal professioneller angegangen werden.

 


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