Missfits unterm Hammer

06.03.2005 / LOKALAUSGABE / OBERHAUSEN


ERSTEIGERUNG / Die Kabarett-Damen verabschiedeten sich von Fans und "Schätzchen" und sammelten 13 530 Euro für Oberhausener Hospize.

Getrennt hatten sie sich ja schon eine Woche zuvor, am Freitagabend haben sich die Missfits dann tatsächlich in Wohlgefallen aufgelöst: Bei der Versteigerung von Schätzen aus ihrer 20-jährigen Karriere kamen - inklusive der rund 500 verkauften Eintrittskarten - im proppenvollen Ebertbad stolze 13 530 Euro zusammen. Das wird den Verantwortlichen der Oberhausener Hospize wohl gefallen, denn Gerburg Jahnke und Stephanie Überall spenden das Geld dem Ambulanten Hospiz und dem stationären Hospiz St. Vinzenz Palotti.

"Wir arbeiten in Fünfer-Schritten", erklärte Jahnke zu Beginn. "Das bedeutet: fünf Euro", führte Überall aus. "Und wenn Sie die Hand oben lassen", machte Jahnke es schließlich ganz einfach, "regelt sich das von alleine." Das hatten die Fans schnell begriffen: Stephanie Überall und Gerburg Jahnke rissen Augen und Münder auf, voller Erstaunen, wie viel Andenken an die Missfits ihren LiebhaberInnen wert sind. Das teuerste Relikt des Damen-Duos war dann, wie passend, ein mit blankem Busen bedruckte Body, zweckentfremdete Schulterpolster gabs obendrauf. "Nicht nachlassen", forderte Auktionator Dieter Knizia bei 280 Euro. Keine Sorge: Dafür gabs 310 Euro.

Wummen und Tod, Sex und Klos

06.03.2005 / LOKALAUSGABE / OBERHAUSEN

VERSTEIGERUNG / 13 530 Euro war den Fans der Missfits-Nachlass am im Ebertbad wert - und nochmal stehende Ovationen fürs Damen-Duo.

Am Anfag gibts Lara-Croft-Kostüme. Eins in Größe "unter 40", eins in Größe "über 40", beide mit waffenscheinpflichtigen Brust-Imitaten - und mit "Wumme". Mittendrin gibts den "Anschlagkoffer", mit roten Netzstrumpf-Masken - und mit zwei Wummen. Und zum Schluss wird das "Sicherheitspaket" versteigert, ein rosa Karton mit Polizei-Mütze und - genau, Wummen. "Wir haben viel mit Tod und Wummen zu tun gehabt", stellt Gerburg Jahnke fest. "Und mit Sex und Klos", ergänzt Stephanie Überall: "Was haben Sie denn eigentlich so beruflich gemacht, die letzten Jahre?"

Irgendwas, was genug abwirft, um mal so richtig zuzuschlagen, wenn die "Missfits unterm Hammer" landen. Die Dame oben rechts auf der Galerie kann kaum an sich halten, hüpft, winkt, will unbedingt das (kleinere) Lara-Croft-Kostüm ersteigern. "Ich sehe sehr schlecht", gesteht der bebrillte Auktionator, original von der "Essener Versteigerungshalle". "Die Dame hält die ganze Zeit die Hand hoch", hilft Jahnke aus. "Dann hätte sie was Buntes anziehen sollen." Das gibt einen Sonderpreis für Trockenheit, Herr Auktionator - und das Angebot für ein eigenes Kabarett-Programm von Ebert-Bademeister Hajo Sommers.

Für den und zwei seiner Mitarbeiter gabs den Preis für den coolsten Auftritt: Für den guten Zweck machten sich die Bademeister nackig, fast jedenfalls, und bewiesen, dass sie keine Rettungsringe haben, und auch auf dem Trockenen ganz schön geschmeidig sind. Auf Ansage von "Siggi Stappert", Missfits-Agentin Jutta Jahnkes Alter Ego, warfen sie sich todesmutig gar in den Spagat.

Knuffel-Klo und betankter Flachmann
Überhaupt gabs bei der Versteigerung des Missfits-Nachlasses auch Nummern zu sehen, dies eigentlich gar nicht gab: Da holte sich Lehrerin Nora Nölle zum Beispiel Rat bei Bestatterin Matta, wie das letzte Überbleibsel ihrer Fruchtbarkeit würdig zu Grabe getragen werden könnte - die "Seebestattung" unterm rosafarbenen Klodeckel hatte sie sich eigentlich nicht vorgestellt. Einer "Fanin", also einem weiblichen Fan, war das Knuffel-Klo inklusive Papier 165 Euro wert.

Außerdem unterm Hammer: Der als Leopard verkleidete Tiger, über den die als "Butler James" verkleidete Stephanie Überall so kunstvoll bei einer "Dinner for One"-Silvestervorstellung im Zentrum Altenberg gestolpert war; die legendäre, aber nicht mehr hochseetaugliche Rettungsinsel aus dem Ausnahme-Programm "Frauen und Kinder zuerst"; Turban, Handschuhe und betankter Flachmann von Cora von Ablaß-Krause (plus Reserve-Rum) - und, und, und. . . Gute drei Stunden präsentierten die Damen Überall und Jahnke Lieblingsnummern und Raritäten aus ihrer Karriere, gaben ihren Schätzchen wunderschön dekorierte Rahmen und den großzügigen Fans gerne auch DVDs und CDs obendrauf, dies nicht mehr zu kaufen gibt - einmalig eben.

"Das tut ja richtig weh", musste Überall feststellen, als sie sich nach Inge Schnicks allerletzter Zigarette von deren Handtasche trennte. Dafür gabs wohl zum ersten Mal bei einer Versteigerung stehende Ovationen. "Es ist ein allerletzter Abend geworden", sagte Gerburg Jahnke, und Stephanie Überall brachte den Satz zuende: "Aber ein schöner Abend. Toll, dass er in Oberhausen war."

MONIKA IDEMS

 


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