
OBERHAUSEN 28.08.1998
Den Geschlechterkampf mit Humor betrachten
Den Geschlechterkampf mit Humor betrachten Die Missfits beim großen Kabarett-Abend Gerburg Jahnke aus Osterfeld ist die eine Hälfte. Stephanie Überall aus Mülheim/Ruhr die zweite. Zusammen sind sie Die Missfits. Vor über zehn Jahren als freies Theater in der alternativen frauenbewegten Atmosphäre des Kulturzentrums Altenberg in Oberhausen gegründet, entwickelte sich das Duo in kürzester Zeit zu den profiliertesten Frauen der deutschen Kabarettszene. Dabei ist die Kategorisierung als Frauenkabarett eigentlich schon seit geraumer Zeit unvollständig; denn schon lange geht es den beiden eher um eine präzis sarkastische Betrachtungsweise geschlechtsspezifischen Verhaltens bei Männern und Frauen und den daraus erfolgenden Konsequenzen für Alltag und Politik.
Als ehemalige Germanistik-Studentinnen kommen den beiden Power-Frauen der anarchische Umgang mit der deutschen Sprache und vor allem der Dialekt des Ruhrgebietes sehr entgegen. Alle Produktionen der Missfits gehen über die Formen des klassischen Kabaretts hinaus, sind Komödie und Comedy, Volkstheater und schauspielerische Kabinettstücke. Aber es sind auch optische Erlebnisse - schließlich guckt das Auge immer mit! Inzwischen haben beide den Schritt ins Theater vollzogen. Gerburg Jahnke hat bereits erste erfolgreiche Gehversuche ins Regiefach unternommen.
Alle Programme entstammen ihrer eigenen Feder, genau wie die Bücher, die bisher von ihnen im Lübbe-Verlag erschienen sind. Zahlreiche Ehrungen, wie der Leipziger Löwenzahn von 1991, der Salzburger Stier aus dem Jahre 1992 sowie die Glocke, der deutsche Kleinkunstpreis von 1993 haben Ehrenplätze auf den Fensterbänken der beiden erhalten. Doch auch ohne diese Auszeichnungen machen nicht zuletzt die ausverkauften Häuser deutlich, daß die Missfits zu den Lieblingen des deutschen Kabarettpublikums gehören, auf die auch das deutsche Fernsehen schon längst aufmerksam geworden ist. Entsprechend gespannt darf man also auch auf den Auftritt der beiden Vollblut-Komödiantinnen beim großen Kabarett-Abend auf dem Osterfelder Stadtfest sein.
ESSEN 23.04.1998
Missfits spielen mit Marotten
Text Missfits spielen mit Marotten Duo zeigt das Stück ,Höchste Eisenbahn' im Grillo Erfolg auf ganzer Linie: Gerburg Jahnke und Stephanie Überall, bekannt als Kabarett-Duo Missfits, gastierten im Grillo und begeisterten das Publikum mit dem Theaterstück Höchste Eisenbahn.
Der Name ist Programm: Die ältlichen Schwestern Emmy und Betty fallen sich seit Jahrzehnten auf die Nerven, aber ihre eigenen Wege sind sie nie gegangen. Da hat sich einiges an Frust ob der verpaßten Chancen und unerfüllten Sehnsüchte angestaut. Auf einer Zugfahrt von Oberhausen nach Lindau kriselt es zwischen den beiden. In Katharina Johns Abteil nebst abrollbarer Landschaft kommt es zum bitteren Schlagabtausch. Doch die Marotten der Schwestern, die umrahmt von Melissengeist und Butterbroten zum Vorschein kommen, bieten sich den Missfits geradezu an, um die komischen Seiten des Theaterstücks von Fitzgerald Kusz herauszuarbeiten. Wenn Betty sich einer rituellen Säuberung mit Kölnisch Wasser unterzieht oder schmallippig das Gretchen gibt, wenn Emmy burschikos das Leben in die Hand oder ein Ei unter den Arm nimmt, wird das zum köstlichen Amüsement.
Regisseur Ulrich Waller läßt in dieser Produktion der Hamburger Kammerspiele die tragischen Züge nur kurz zwischen Slapstickeinlagen und trocken dargebotenem Witz hervorblitzen. Erst zum Ende brechen die gemeinen Wahrheiten aus. Sie schlucken das Lachen, das noch in der Kehle steckt. Und für einen Moment offenbart sich ein alltägliches Drama. dags
BOTTROP Datum 24.12.1999
Doktor Manni zupft bei Matta und Lisbett
Doktor Manni zupft bei Matta und Lisbett Manfred Miketta spielt und komponiert für Missfits Er ging mit Roberto Blanco auf Kreuzfahrt, tourte als Bassist mit den Missfits durch Deutschland und ist der musikalische Leiter der überaus erfolgreichen Ruhr-Revue. Aber eigentlich hätte aus dem Bottroper Bassisten und Musikschullehrer Manni Miketta etwas Anständiges werden sollen. Zum Beispiel Architekt. An der Aachener Hochschule war der 1957 in Bottrop geborene Manfred Miketta für das Architekturstudium eingeschrieben und auf dem besten Weg zu einer Ingenieurs-Karriere. Doch eineinhalb Jahre vor dem Hauptdiplom schmiss er zum Schrecken seiner Eltern sein Studium. Der Grund, sagt der 42-jährige, war seine wirkliche Leidenschaft. Die Musik.
Angefangen hatte alles an seinem 16. Geburtstag. Da rückten ihm seine Freunde auf die Bude. Einer brachte eine Gitarre mit. Jung-Manni griff zu seiner Melodica und Blockflöte, denn richtige Instrumente folgten erst später. Das war die erste Session meines Lebens, erinnert sich Miketta. Am liebsten hätte er damals Gitarre gespielt die ersten drei Akkorde von ,Locomotive Breath' konnte ich nämlich schon aber die Jungs aus seiner Clique suchten für ihre Band noch einen Bassisten. Auftritte in Jugendheimen folgten: Wir komponierten immer eigene Songs, denn bekannte Stücke nachspielen konnten wir gar nicht, lacht Manni Miketta. Später kamen Gigs in Kneipen hinzu und der Bassist entdeckte seine Vorliebe für Swing und Jazz. Auf einer Klassenfahrt in Prag erstand er seinen ersten Kontrabass. Über die Stadtgrenzen hinaus bekannt wurde Miketta mit dem Greifenberg-Trio, das mit feinen Piano-Abenden glänzte. Im Alter von 29 Jahren erfüllte ich mir endlich meinen Jugendtraum und studierte Musik. Zuerst an der Duisburger Uni, später an der Hochschule für Künste in Arnheim/Holland. 1987 bekam er die Gelegenheit zu einem zweimonatigen New York-Aufenthalt und tauchte in die dortige Jazz-Szene ab. Beinah' wär ich dageblieben, bekennt er. Das wäre schade gewesen. Zumindest für das Theater Oberhausen. Dorthin hatte Miketta schon 1984 erste Kontakte geknüpft und bei der legendären 50er Jahre-Revue mitgewirkt. Und das Theater legte auch den Grundstein für seine spätere Arbeit mit den Missfits. Aber davon an anderer Stelle mehr.
Anfang der 90'er Jahre war er als Musiker einer Bonner Gala-Band verpflichtet. Diese Truppe begleitete bekannte Künstler auf deren Tourneen. Mit Schlagersänger Andy Borg ging's auf Amerika-Tour und schließlich mit Roberto Blanco auf dem Traumschiff MS Europa um die weite Welt. Südamerika, die Südsee und Alaska gehörten fortan für ein paar Wochen im Jahr zu Manni Mikettas Ausflugszielen. Der Spaß endete, als der Musiker seine damalige Freundin und heutige Ehefrau Ruth Neuhoff mit an Bord nehmen wollte: Ihr Aufenthalt hätte mit einigen tausend Mark die Reisekasse gesprengt. So verabschiedete sich Roberto Blanco aus Mannis Leben und die Missfits traten ein.
Hergestellt wurde der Kontakt über besagtes Theater Oberhausen, wo Miketta auch als Musiker im Comedy-Musical Polizeirevue mitwirkte. Fortan spielte und komponierte der Bottroper für die Missfits Stefanie Überall (Matta) und Gerburg Jahnke (Lisbett). Von Sylt bis München traten sie vor ständig ausverkauften Häusern auf. Das dabei stets gespielte Kult-Lied Oberhausen stammt übrigens aus der Feder Dr. Mikettas, wie ihn die Komiker-Damen gerne nennen. Gipfel seiner bisherigen Karriere ist die musikalische Leitung der Ruhr-Revue mit den Missfits, Herbert Knebel und weiteren bekannten Spaßvögeln. (Die Revue wird am zweiten Weihnachtsfeiertag vom WDR ausgestrahlt.) Weitere Aufzeichnungen mit den Missfits sind fürs nächste Jahr geplant. Bevor er aber mit Söhnchen Luca und Frau Ruth ins Jahr 2000 hineinrutscht, steht an Silvester erstmal eine Premiere im Theater Oberhausen auf dem Programm: Flytanic. Ulla Emig Bei der erfolgreichen Ruhr-Revue mit den Missfits, Herbert Knebel, Popette Betancour und weiteren Komikern gab Manni Miketta als musikalischer Leiter den Ton an. waz-Montage: Dirk Bannert |